
时间:2006-10-27
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Lucheni:
Den Tod verdriesst es sehr,
Elisabeth am Wiener Hof zu sehn.
Schliesslich ist er abgeblitzt,
man kann seinen Groll verstehn.
Drum: wenn trotz Milch und Honig
ihr das Leben hier nicht schmeckt,
dann könnt’ es durchaus möglich sein,
dass er dahinter steckt.
Im ersten Ehejahr lässt sie der Kaiser viel allein.
Was tut’s? Ihr Papagei hat immer für sie Zeit.
Im zweiten Ehejahr kriegt sie ihr erstes Töchterlein
und wird von ihren Mutterpflichten prompt befreit.
Elisabeth:
Wo ist meine Kleine?
Erzherzogin Sophie:
Ich nehme mich ihrer an!
Elisabeth:
Ich will mein Kind wiederhaben!
Erzherzogin Sophie:
Du siehst es dann und wann.
Elisabeth:
Ohne mich zu fragen,
tauften Sie es Sophie.
– Ausgerechnet Ihren Namen!
Erzherzogin Sophie:
Ich kümm’re mich um sie!
Elisabeth:
Franz Joseph, deine Mutter quält mich in einem fort!
Jetzt hat sie mein Kind gestohlen
–sprich ein klares Wort!
Erzherzogin Sophie & Hofdamen (gleichzeitig):
Sie ist ja selbst noch fast ein Kind
–Sie kann kein Kind erziehn!
Franz Joseph:
Beruhig dich nur, mein Engel!
Mama weiss, was sie tut!
Hat mit Kindern viel Erfahrung,
und sie meint es gut.
Erzherzogin Sophie & Hofdamen (gleichzeitig):
Bedarf noch selbst der starken Hand
– Am Kaiserhof von Wien.
Elisabeth:
Ich versteh, du stellst dich...
Franz Joseph:
Ich will keinen Streit...
Elisabeth:
... gegen mich!
Franz Joseph (gesprochen):
Versteh mich doch. Ich kann nicht anders.
Elisabeth (gesprochen):
Mein Kind! Ich will mein Kind!
Lucheni:
Im dritten Ehejahr kommt wieder eine Tochter an.
Die Mutter heult umsonst
– das Kind wird requiriert.
Und langsam wird ihr klar,
dass sie nur was erreichen kann,
wenn man von ihr was will
und sie den Preis diktiert.
Franz Joseph:
Auch deine Schönheit kann uns politisch nützlich sein.
Komm mit nach Ungarn,
setz’ deinen Zauber für mich ein.
Elisabeth:
Gib mir die Kinder wieder, die man mir nahm.
Franz Joseph:
Setz meine Gegner matt durch deinen Charme.
Elisabeth:
Ich reis’ nur mit den Kindern.
Hol sie zuerst zurück!
Dann will ich dich gern begleiten im Dienst der Politik.
Franz Joseph:
Die Reise ist kein Ausflug,
die Kinder sind noch zu klein.
Elisabeth:
Solange sie nicht bei mir sind,
heisst meine Antwort „nein“.
Franz Joseph (gesprochen):
Gott, ich begreif dich nicht.
Aber bitte, du sollst deinen Willen haben.
Lucheni:
So reist im vierten Ehejahr
samt den zwei Kindern das Kaiserpaar nach Ungarn,
wo jemand auf sie wartet.
Sie wissen schon wer?
– Oder...?
Graf Gyula Andrássy (gesprochen):
Die Kaiserin ist schön.
Graf Stephan Károlyi (gesprochen):
Wie steht sie zu Ungarn?
Graf Elemer Batthyány (gesprochen):
Sie liebt alles, was ihre Schwiegermutter hasst.
Graf Stephan Károlyi (gesprochen):
Dann wird sie uns unterstützen.
Graf Gyula Andrássy (gesprochen):
Sie sieht traurig aus.
Graf Elemer Batthyány (gesprochen):
Ihre Kinder sind krank.
Die kleine Sophie soll hohes Fieber haben.
Graf Gyula Andrássy (gesprochen):
Die Sorge macht sie noch schöner.
Elisabeth:
Nein!!
Tod:
Weisst du noch, wie wir erbebten,
als wir zwei im Tanze schwebten?
Du brauchst mich.
Ja, du brauchst mich.
Gib doch zu, dass du mich mehr liebst,
als den Mann an deiner Seite.
Auch wenn du ihm scheinbar mehr gibst,
du ziehst in ihn die Nacht.
Die Schatten werden länger.
Es wird Abend, eh’ dein Tag begann.
Die Schatten werden länger.
Diese Welt zerfällt,
halt dich nicht fest daran!