
时间:2026-02-27
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"Chrysothemis
Ich kann nicht sitzen und ins Dunkel starren, wie
du. Ich hab’s wie Feuer in der Brust, es treibt mich
immerfort herum im Haus; in keiner Kammer
leidet’s mich, ich muß von einer Schwelle auf die
andre, ach! treppauf, treppab, mir ist, als rief ’
es mich, und komm ich hin, so stiert ein leeres
Zimmer mich an.
Ich habe solche Angst, mir zittern die Knie
bei Tag und Nacht, mir ist die Kehle wie
zugeschnürt, ich kann nicht einmal weinen, wie
Stein ist alles! Schwester, hab Erbarmen!
Elektra
Mit wem?
Chrysothemis
Du bist es, die mit Eisenklammern mich an den
Boden schmiedet. Wärst nicht du, sie ließen
uns hinaus.
Wär nicht dein Haß, dein schlafloses,
unbändiges Gemüt, vor dem sie zittern, ah,
so ließen sie uns ja heraus aus diesem Kerker,
Schwester! Ich will heraus! Ich will nicht jede
Nacht bis an den Tod hier schlafen! Eh’ ich
sterbe, will ich auch leben! Kinder will ich
haben, bevor mein Leib verwelkt, und wär’s
ein Bauer, dem sie mich geben, Kinder will ich
ihm gebären und mit meinem Leib sie wärmen
in kalten Nächten, wenn der Sturm die Hütte
zusammenschüttelt!
Hörst du mich an? Sprich zu mir, Schwester!
Elektra
Armes Geschöpf!
Chrysothemis (stets äußerst erregt)
Hab Mitleid mit dir selber und mit mir! Wem
frommt denn solche Qual? Der Vater, der ist
tot. Der Bruder kommt nicht heim. Immer
sitzen wir auf der Stange wie angehängte Vögel,
wenden links und rechts den Kopf –
und Niemand kommt –
kein Bruder – kein Bote von dem Bruder, nicht
der Bote von einem Boten.
Nichts – Mit Messern gräbt Tag um Tag in
dein und mein Gesicht sein Mal, und draußen
geht die Sonne auf und ab, und Frauen, die ich
schlank gekannt hab’, sind schwer von Segen,
müh’n sich zum Brunnen, heben kaum die
Eimer, und auf einmal sind sie entbunden ihrer
Last, kommen zum Brunnen wieder –
und aus ihnen selber quillt süßer Trank, –
und säugend hängt ein Leben an ihnen, und die
Kinder werden groß.
Nein, ich bin ein Weib und will ein
Weiberschicksal.
Viel lieber tot als leben und nicht leben."